01.05.2008 Wittener Tage für neue Kammermusik

....Die Höhepunkte des Festivals wurden allerdings durch die Auftritte der SCHOLA HEIDELBERG unter Leitung von Walter Nußbaum markiert: Johannes Kalitzke schuf, basierend auf Textfragmenten psychisch Kranker aus der Heidelberger Sammlung Prinzhorn, mit "inn Stufender Sonderung" eine erstaunliche "Metamorphose für vier Männerstimmen und Akkordeon" (2008). Der Komponist inszenierte die Musik als Psychogramm eines Zerfalls, indem er den Text von innen her aushölte und die Stingstimmen in eine Schicht aus mechanischen Klängen von Spieluhren, Reibstöcken und anderem Zubehör einwob, kontrapunktiert durch den von Anne-Maria Hölscher spannungsreich vorgetragenen Akkordeonpart. Ganz anders erzugte dagegen Jay Schwartz in seiner "Music for Six Voices III" (2008) eine in höchstem Maße suggestive Wirkung: Ausgehend von Pfeiflauten in den höchsten Lagen entstand beim Durchschreiten sämtlicher Stimmregister bis in die kaum mehr hörbaren Tiefen eine enorme Sogwirkung, die durch ständige Perspektivwechsel zwischen den mikrotonal differenzierten Stimmen verstärkt wurde, sich zu einer komplexen Harmonik fügte und schließlich in die Artikultation des Wortes "komm" - gleichfalls ein Textfragment aus der Prinzhorn-Sammlung - mündete, bevor die Stimmen wieder in der Höhe verschwanden.  (Dr. Stefan Drees, magazin.klassik.com)

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