23.09.2010 Sensible Klangkünste und kecke Fingerübungen

Mannheimer Morgen, 23.09.2010
Klassik:
Schola Heidelberg und Ensemble Prisma im Prinz Carl

Sensible Klangkünste und kecke Fingerübungen

Von unserem Mitarbeiter Eckhard Britsch

Mozart war - man merkt es plakativ ja gar nicht, so selbstverständlich kommt bei ihm alles daher - auch ein Meister des Instrumentierens. Eine Kostprobe davon gab das Bläseroktett Ensemble Prisma zur Saisoneröffnung "KlangForum" im Heidelberger Prinz Carl-Palais mit dem Oktett in c-Moll (KV 388). Sehr akzentuiert spielten sich die jungen, technisch exzellenten Instrumentalisten die dialogischen Bälle zu und balancierten die heiklen Klanggewichte sehr schön aus. Dass der Saal im Prinz Carl akustisch fast ein wenig zu klein ist für diese Besetzung, liegt in der Geometrie begründet.

Ansonsten putzte das Ensemble noch die Ohren durch mit einem damaligen Arrangement von Mozarts Ouvertüre zur "Zauberflöte", frisch und schwungvoll serviert, sowie mit einer fulminanten "Königin der Nacht"-Bearbeitung - Beethoven, der Dräuende, hatte offenbar auch seine heiteren, verspielten Seiten.

Sein Es-Dur-Bläseroktett wäre, der Opuszahl (103) nach zu urteilen, ein Spätwerk, entstand aber schon als kecke Fingerübung des 22-Jährigen. Vor allem Oboe und Klarinette dürfen in den Vordergrund treten, und auffällig waren die Frage-Antwort-Spielchen im Menuett und das agile Feuer im Finale. Spieltechnisch sauber und sehr motiviert präsentieren sich die acht Bläser.

Mit der Schola Heidelberg hat sich Walter Nussbaum einen A-cappella-Kammerchor geschaffen, der den Vergleich mit spezialisierten Rundfunkensembles nicht zu scheuen braucht. Die Klangsensibilität, mit der etwa die kurz nach dem Zweiten Weltkrieg entstandenen Sätze von Bernd Alois Zimmermann durchzogen war, ließ aufhorchen und teilte in kunstvoller Schlichtheit die Beschwernis mit, die der Komponist in sich trug. "Das glückliche Hirtenlied" von Mendelssohn Bartholdy, in frühlingshaftem Zauber vorgetragen, und drei poetische Schumann-Sätze komplettierten den chorischen Vortrag. Die acht Sängerinnen und Sänger machen den Hörer neugierig auf mehr.

Ein feiner, überzeugender Auftakt in die "KlangForum"-Saison. Hinterher war noch Gelegenheit zu Gesprächen.

Mannheimer Morgen
23. September 2010

 

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