Prinzhorn

Projekt Prinzhorn 

Verrückt? Kunst? Krankheit? – Oder einfach nur die Sehnsucht nach einem anderen Leben? Die Texte, Bilder und Skulpturen von Patienten psychiatrischer Kliniken der Sammlung Prinzhorn werfen Fragen auf. Eine inzwischen umfangreiche musikalische Auseinandersetzung mit diesen Fragen bilden die neu entstandenen Kompositionen des Projekts Prinzhorn des KlangForum Heidelberg. Bis dato entstanden 20 Werke auf Exponate der Sammlung Prinzhorn, die sich auf ganz verschiedene Weise mit der Thematik "Wahn, Pschiatire, Krankheit und Kunst" beschäftigen.

Die Sammlung Prinzhorn, die das Ausgangsmaterial für das Projekt des KlangForum Heidelberg beinhaltet, umfasst bildnerische, literarische und plastische Werke von Patienten psychiatrischer Kliniken. Benannt ist sie nach dem Arzt und Kunsttheoretiker Hans Prinzhorn (1886-1933), der in seiner Studie Bildnerei der Geisteskranken (Heidelberg 1922) den Quellenbestand erstmals auswertete. Der systematischen Erweiterung des Bestandes in den nächsten Jahrzehnten sowie dem wachsenden wissenschaftlichen und öffentlichen Interesse folgte schließlich 2001 die Eröffnung des Museum Prinzhorn.

Zu diesem Anlass beauftragte das KlangForum Heidelberg unter Leitung von Walter Nussbaum zunächst fünf Komponisten, sich mit Dokumenten aus der Sammlung Prinzhorn auseinanderzusetzen. So entstand das Projekt Prinzhorn, in dessen Rahmen dank der Förderung u.a. der Bundeskulturstiftung weitere Kompositionsaufträge vergeben werden konnten. Im Mittelpunkt steht die Idee, verschiedene Deutungen ästhetischer Äußerungen kranker Menschen vorzustellen und an der Grenze von Kunst zu Wahn die Klassifikation von Krankheit und Normalität zur Diskussion zu stellen.

Die Vergabe der Kompositionsaufträge erfolgt an bereits etablierte wie auch weniger bekannte Komponisten. Die Vorgabe besteht darin, Werke von etwa zehn Minuten für die Besetzung der beiden Ensembles des KlangForum Heidelberg und/oder Elektronik zu komponieren. Dabei stehen mit den bis zu 20 Sängern der SCHOLA HEIDELBERG und den Instrumentalisten des ensemble aisthesis zwei Klangkörper zur Verfügung, die sich durch hohe technische und interpretatorische Flexibilität auszeichnen.

In den bis heute 20 neu entstandenen Kompositionen zeigen nahezu ebenso viele individuelle Umgangsweisen mit den Vorlagen und der Thematik „Wahn, Psychiatrie, Krankheit, Kunst“. Die Komponisten decken in ihren Interpretationen ein weites Deutungsspektrum ab: Friedrich Jaeckers Werk von dir gehn bewegt sich am Rande der Stille und deutet den inneren Textgehalt aus. Thomas Stieglers Und. Ging. Außen. Vorüber. monologisiert den Text nach Art des Rezitativs. Caspar Johannes Walter schuf mit Krumme Dinger I-III eine ganze Werkreihe. Neben der Aufführung der Kompositionen in einer eigenen Veranstaltungsreihe in Heidelberg, kamen die Werke des Projekt Prinzhorn bereits in Witten (Tage für Neue Kammermusik Witten), Darmstadt (EUMETSAT), Frankfurt (Sendesaal des Hessischen Rundfunks), Korea (Tongyeong International Music Festival), Leipzig (mdr Musiksommer) und  Köln (Romanische Nacht) zu Gehör.

Begleitet wurden die bisherigen Aufführungen von Vorträgen, Komponisten- und Interpretengesprächen. Es zeigt sich, dass das Interesse des Publikums an einer gemeinsamen Auseinandersetzung mit dem Gehörten sehr groß ist, da einerseits die Texte vielen Hörern den Zugang zur Neuen Musik eröffnet und andererseits die Musik einen Weg zur Auseinandersetzung mit der Thematik der Kunst Geisteskranker erschließt.

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