Wunderhorn
Wunderhorn
Die vor 200 Jahren erstmals erschienene Sammlung Des Knaben Wunderhorn von Achim von Arnim und Clemens Brentano ist auf musikalischem Gebiet bis heute eng mit den Vertonungen Gustav Mahlers verbunden. Diese Korrelation zwischen den romantischen Idealen der Texte um 1800 und der Tonsprache Mahlers um 1900, die an der Schwelle zur Moderne steht, ist sehr stark. Doch ist die zeitliche Distanz heute kaum mehr bewusst.
Das Projekt Des Knaben Wunderhorn im 20. und 21. Jahrhundert des KlangForum Heidelberg beleuchtet die poetische Sprache des Wunderhorns im Zusammenhang mit einer durch neue Medien geprägten Welt. Die Auftragswerke des KlangForum Heidelberg für ein typisches Kammerensemble des 20. Jahrhunderts beschäftigen sich mit denjenigen Wunderhorntexten, die Gustav Mahler nicht selbst orchestriert hat. Dabei verzichten die Komponisten Cornelius Schwer, Erik Oña und Caspar Johannes Walter auf den charakteristischen Mahler-Orchesterklang und fügen der Neuinstrumentierung kurze, musikalische Kommentare hinzu, welche die zeitgenössische und persönliche Sicht auf die Wunderhorn-Texte vertieft. Als inzwischen historisches Beispiel für den Umgang mit der engen Verknüpfung der Wunderhorn-Textvorlagen und der symphonischen Musik Gustav Mahlers, fand auch die Bearbeitung der 4. Symphonie von Erwin Stein Eingang in das Programm des KlangForum Heidelberg. Die 1921 von Stein bearbeitete Symphonie, die Mahler zwischen 1892 und 1900 komponierte, stellt eine Aneignung von romantischer Orchestermusik für das Kammerensemble des 20. Jahrhunderts dar.
Die Uraufführung mit der international renommierten Mahler-Interpretin Ruth Ziesak und dem ensemble aisthesis unter der Leitung von Walter Nußbaum fand 2006 im Rahmen des „Literatursommer Baden-Württemberg“ statt und erregte regional wie überregional große Aufmerksamkeit. Mit Blick auf ein junges, Medien gewohntes Publikum, wurde das Projekt durch ein Schlüsselmedium des 21. Jahrhunderts erweitert: die Video- und Computeranimation. In einer Visualisierung zur gleichzeitig gespielten Musik wurden so Brücken zwischen den Bildern und Symbolen der Romantik und unserer heutigen Zeit geschlagen. Die Videokünstler Christoph Zeidler und Joscha Steffens stellten mal assoziative, mal kontrastive Verbindungen zu Text und Musik her. Begleitet wurde das Konzert ebenfalls durch einen Komponistenworkshop, einer öffentlichen Generalprobe und einem Vortrag von Dr. Jan Reichow zum Thema „Wunderhorn, Kindheit und Himmlische Stadt.“
Aufgrund des enormen Anklangs beim Publikum und der überregionalen Aufmerksamkeit wurde das Projekt Des Knaben Wunderhorn im 20. und 21. Jahrhundert im Dezember des Jahres 2007 wieder aufgenommen. Das ensemble aisthesis gastierte mit der Sopranistin Ruth Ziesak und dem Bariton Sebastian Noack in der Liederhalle Stuttgart, dem Konzerthaus Berlin und dem Stadtcasino Basel.
